Das erbsündchen und das alte Spielzeug.

Ich knie heute früh im Flur und packe ein etwas sperriges Babyspielzeug vom erbsündchen in einen Karton. Ein Spielzeug, mit dem sie seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt hat, das einfach nur noch rumstand.
Und ich dachte – in meinem Leichtsinn – ich stelle es auf einer Auktionsplattform ein, es gibt sicher ein anderes Kind das genau so viel Freude daran hat, wie das erbsündchen vor 1 1/2 Jahren.
Und dann fehlte in diesem Moment eigentlich nur noch die Titelmelodie von „Der weisse Hai“, denn noch bevor ich den Karton schließen konnte, stand das erbsündchen auch schon vor mir – im Schlafanzug, Affi unter dem Arm.

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„Was packst du da ein?“
„Was genau meinst du, Schnäuzchen?“, lächele ich halbherzig, lasse meine Schultern fallen, denn sie hatte nicht nur die Situation sofort erfasst, ich spürte auch schon die Wellen der unendlichen Empörung, die mir entgegen schlugen und die mich erschaudern ließen.
„Das ist meins! Warum packst du das ein!“ (Es war keine Frage, es war eine empörte Feststellung)
„Äh … haha .. du meinst das Spielzeug? Ach, ich dachte wir schicken es an ein Kind, das nichts zum Spielen hat“, versuchte ich verzweifelt. „Du hast so lange damit nicht mehr gespielt, du bist ja kein Baby mehr!“
„Nein, Mamaaaa!!! Das GEHT NICHT!!! Das ist meins!!!“

Ok. Atmen. Und sich selbst verfluchen, dass man das Paket nicht nachts gepackt hat.
Während ich vor mich hinatme meint das erbsündchen: „Ich will es wieder haben! Gib es mir bitte sofort. Das wird NICHT verschickt!“
Keine Chance. Doch warte … eine haben wir:
„Ok. Also dann nimm es noch mal und halte es ein bisschen, ich packe derweil deine Kindergartentasche. Und dann packen wir es ein, ok?“
Keine Antwort, sie presst das Spielzeug an sich und marschiert weg.

5 Minuten – nach 5 Minuten versuche ich mein Glück: „Schnäuzchen, kann ich es dann jetzt einpacken? Hast du es lange genug gehalten?“
Es folgt ein langer, sehr, sehr vorwurfsvoller Blick von ihr und dann die Frage: „Ist das etwa für E. vielleicht?“ (Ihr Cousin)

So. Und kennt ihr DEN Moment, wo ihr eine 50/50 Chance auf die richtige Antwort habt? Und ihr unmöglich wissen könnt, welche Antwort die richtige ist?
Die Zeit bleibt stehen, man steht Auge in Auge mit dem Kind, spürt seine Halsschlagader klopfen und weiss … diese Antwort ist allesentscheidend.

„Ja.“, entscheide ich mich atemlos. „Es ist für ihn.“

„Och naja dann, kann er haben!“, antwortet das erbsündchen … und während ich mir noch die Perlen des Angschweisses von der Stirn wische, hüpft sie fröhlich weg.
Ich werde nie. Wirklich NIE wieder irgendwas von ihr einpacken, wenn sie in der Nähe ist. Solche Situationen lassen mich um Jahre altern. Und das kann ich mir nicht leisten.

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