Das erbsündchen und die verlegten Dinge.

Gestern … Sonntag.
Ein ganz normaler Sonntag.
Halt, nein! Nicht ganz normal, denn Herr erbsünde wollte für seine Fahrt nach Brandenburg packen. Ganz wichtig: sein neues Modem musste mit, da er dort sonst keinen Empfang hat.
Nun war aber das gute Teil unauffindbar, wie vom Erdboden verschluckt. Herr erbsünde ist nicht der Geduldigste, schlimme portugiesische Ausdrücke murmelnd, kam er zu mir.


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„Auf die Fensterbank im Wohnzimmer!“, war seine Antwort auf meine Frage, wo er es denn zuletzt hingelegt hätte.

Ich war schockiert. Fehler. Großer, großer Fehler! Um nicht zu sagen: ANFÄNGERFEHLER!
Niemals nie ein wichtiges, technisches Gerät, auch wenn es nur einen einzigen Knopf hat, irgendwo in der Nähe des erbsündchens ablegen. „Tja,“ sagte ich und wie im Film drehten wir beide gleichzeitig den Kopf zum erbsündchen, das tiefenentspannt auf dem Sofa lag und einen Film schaute.

„Schnäuzchen?“, säuselte ich liebevoll (… total geschickter Geheimzug einer Mutter, um auch das kindliche Unterbewusstsein mit den darin versteckt gespeicherten Informationen anzusprechen), „… hast du dieses kleine, schwarze Kästchen mit dem Knopf gesehen und vielleicht genommen, dass Papai hier auf die Fensterbank gelegt hat?“
„Ja, habe ich.“, antwortete das erbsündchen – schlicht und einfach.
Herr erbsünde und ich freuten uns. Kurz.
„Oh toll, wo ist es denn???“, fragten wir fast zeitgleich und etwas zu interessiert. Denn damit begingen wir unseren nächsten Fehler.
Das erbsündchen witterte instinktiv, dass hier gerade eine Bühne für sie frei wurde. Interessiert setzte sie sich auf.
„Nunja,“ meinte sie genießerisch und strich sich die Haare aus dem Gesicht. „Ich glaube … Äh, Moment, lass mich überlegen …“

Wir warteten. Atmeten und warteten.

„Und???“, fragte ich, denn die Spannung stieg in´s Unermessliche.
„Ja ich glaub das liegt in der Küche oder so.“, freut sie sich, helfen zu können.
„Nein, Schnäuzchen, da ist es nicht.“, antwortete ich mutlos, denn ich ahnte in diesem Moment, worauf es hinauslief.

Herr erbsünde, haha der Träumer, wollte noch nicht aufgeben. „Überleg doch mal, Carlotinha. Wo hast du es hingelegt?“
„Ahhh, jetzt weiss ich es!“, krähte das erbsündchen begeistert und sprang auf. „Hier unter dem Teppich!“ Sie stand tatsächlich auf, um den Teppich anzuheben. Ich winkte müde ab.
„Da ist er nicht. Der ist flach. Da braucht man gar nicht schauen, Schnäuzchen!“
„Ah so …“, grübelte das erbsündchen (ernsthaft???) und verschmolz immer mehr mit ihrer neuen Rolle, “ Aber dann kann nur eins sein. Der Geist hat es mitgenommen.“

Ich stieg an dieser Stelle aus und suchte weiter. Herr erbsünde diskutierte weiter mit der Vierjährigen (hahaha). „Es gibt keine Geister. Und sie interessieren sich auch nicht für ein Modem (HAHAHAHAHA). Bitte, bitte, bitte sag mir, wohin du es gelegt hast.“

Und noch während er den Satz beendete, wurde ihm die Ausweglosigkeit der Situation klar. „Oh nein!!! Es kann ja praktisch überall sein!“, sagte er zu mir und ich nickte wissend. „In jeder Ecke, jedem Winkel! Es ist VERLOREN!!!“

„Wir müssen suchen, Amor. Es hilft nix. Wir finden das schon. Das Haus verliert nichts.“, beruhigte ich ihn und machte ihm einen starken Kaffee. Der beruhigt nicht, aber besänftigt.
Während das erbsündchen noch ein paar hilfreiche Tipps an den Mann zu bringen versuchte, schauten wir in alle Schubladen, unter Schränken und Sofas, im Wäschekeller, hinter den Büchern, im Mülleimer, in der Garage, im Auto, in den Hundekörben, unter der Fußmatte, im Altpapier, zwischen den Kuscheltieren … bis Herr erbsünde schließlich – nach 75 Minuten ins Haus kam, MIT dem Modem in der Hand, das er im Vorgarten auf der Bank gefunden hatte, hinter meinem Steinaltar. Dort hatte das erbsündchen eine Weile gespielt. Mit den Steinchen (muahahahahahahaha).

„Ach ja,“ sagte das erbsündchen hocherfreut und ließ sich auf das Sofa zurück sinken. „Da ist das Teil ja! Wir haben es wieder gefunden. Alles gut.“

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