Liebeserklärung an meine Probenäher

Ich liebe meine Probenäher.

Probenäher werden viel zu wenig gelobt.

Da sind Frauen, die sich in ihrer spärlichen Freizeit (oder wenn sie organisatorisch besonders begabt sind und Nerven wie Stahlseile haben, auch in Anwesenheit ihrer Kleinkinder, was noch bewundernswerter ist) an die Maschine setzen und für ebook-Ersteller einen neuen Schnitt testen. Einfach so.

Es wird genäht, ausprobiert, neue Ideen werden beigetragen, Kritik angebracht, sich ausgetauscht und zu guter Letzt werden noch Fotos und Collagen gemacht, um das Ergebnis zu präsentieren. Und meistens wird nicht nur ein Teil genäht – viele meiner Probenäherinnen stellen in der Probenähphase bis zu sechs Teile her, eins schöner, als das andere.Es werden natürlich nicht nur Nähthemen besprochen, denn man verbringt ja doch viel Zeit miteinander.

Und dann kommt schließlich die heiße Endphase, in der die ebook-Erstellerin am Rande des Nervenzusammenbruchs steht, da sie ja auch noch Kinder, Job und sonstiges um die Ohren hat und sowieso langsam aber sicher immer nervöser wird, je näher der Veröffentlichungstermin rückt – sie wird aufgeheitert, ihr wird Mut zugesprochen, sie wird gelobt und virtuell in den Arm genommen…

So etwas schweißt zusammen.

Ich habe eine feste Probenähgruppe bestehend aus Frauen, die schon lange für mich nähen. Und doch nehme ich jedes Mal Neue hinzu – sei es, weil nicht jeder aus meiner Gruppe Zeit hat, weil einzelne Probenähgrößen nicht besetzt sind, oder weil ich einfach durch Zufall auf Facebook ein Profil finde das ich so unglaublich interessant finde, dass ich unbedingt wissen möchte, wie diejenige meinen Schnitt umsetzen würde.

Ich sammle sozusagen wundervolle, kreative, eigenwillige und interessante Menschen.  Manche haben gar keine Facebook Seite, manche haben eine mit 30 Fans, manche haben 3.000. Wer meine Seite verfolgt weiss, dass ich keinen Wert auf Oberflächlichkeiten lege, sondern auf den Mensch dahinter. Und wenn man genau schaut, findet man so viele wunderbare Frauen, die wahnsinnig kreativ sind.

Natürlich versuche ich mich zu revangieren – indem sie die Probe genähten ebooks sowohl privat, als auch gewerblich unbegrenzt nutzen dürfen. Und vor der Veröffentlichung das ebook auf ihrer Seite verlosen können. Und ich organisiere Rabatte bei Stoffhändlern, damit sie Stoff shoppen können.

Ohne meine Probenäher würde es mir sicher bei Weitem nicht so viel Spaß machen, denn der Weg von der Idee bis zum fertigen ebook ist lang. Angefangen beim ersten Geistesblitz (der mich meist trifft, wenn ich meine Jüngste länger als 15 Minuten in den Schlaf singen muss), über die erste Zeichnung, die Anpassung der verschiedenen Größen, die Aufnahme von Extrawünschen oder neuen Ideen, über die Digitalisierung des Schnittes, des erneuten Nähens zur finalen Kontrolle, der Anpassung des Schnittes, bis hin zum Schreiben der Anleitung … am Tag der Veröffentlichung schwöre ich mir jedes Mal, dass ich nie, nie, nie wieder ein ebook herausbringe. Einfach nur Ruhe … entspannen …

Und dann ist da nach ein paar Wochen oder Monaten (je nach Grad meiner Erschöpfung) wieder diese Idee, gefolgt von einem ersten genähten Beispiel, dem vorsichtigen Anfragen bei meinen Probenähern, wie sie das finden … die Begeisterung von ihnen, das: wann können wir anfangen??? … und … weiter geht’s, ich bin wieder Mitten drin.

Ach ja, ich liebe sie, meine Probenäher.

 

Danke, Mädels!!! *edit: und inzwischen auch danke, Jungs!!!