Über die Nähszene. Und den Umgang miteinander.

Diesen Beitrag gibt es – mal wieder – aus aktuellem Grund. Ich glaube nämlich, dass es ein paar Menschen nicht ganz klar ist, was sie tun. Beziehungsweise, dass sie es besser machen könnten.

Wo fange ich an.
Es gibt Menschen, die in ihrem Übereifer vergessen nachzudenken, bevor sie etwas posten.
 

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Da wird ein neues ebook veröffentlicht, das überragend gut ankommt. Das kann von ihnen natürlich so nicht einfach stehen gelassen werden. Nein, nein – es kann nicht sein, dass ein ebook von so vielen gut gefunden wird – es MUSS etwas gefunden werden, um den Erfolg zu zerstören.

Zunächst werden Freebooks herausgekramt. Hektisch werden Anleitungen und Tutorials gesucht, gefunden und gepostet, mit denen man sich etwas Ähnliches nähen kann. Was ja völlig legitim ist, denn KEINER MUSS ein ebook kaufen, wenn er den Schnitt auch ganz alleine nähen kann (diesen Satz/ Fakt bitte unbedingt merken).

Also gut – man geht also hin, kramt ein Freebook aus, das IRGENDWIE ähnlich ist und postet es in jeder Gruppe, wo das – einen aus welchem Grund auch immer störende – ebook gezeigt wird. 

Wobei ich kurz anmerken möchte dass ich mich immer wundere, dass das entsprechende, tolle Freebook nicht schon vorher überall angepriesen wurde, bevor der betreffende Schnitt auf den Markt kam – aber nun gut.

Schauen wir weiter.

Es gibt ein paar NOCH eifrigere, die nicht nur wissen, wo man den kostenlosen Schnitt bekommt, so dass man sich die 3,90 – 5,90 EUR sparen kann, sondern die auch noch hingehen und anhand des betreffenden Schnittmusters (durch Fotos) und Nennung des Schnittmusternamens zeigen, wie man diesen ganz leicht von einem anderen Schnitt abwandeln kann.

Und hier muss ich leider sagen: das ist dumm.Dumm, denn hier kann es teuer werden. Nicht nur für diejenigen, die anhand des Originalschnittes zeigen, wie man ihn selbst nachbasteln kann und diese Anleitung auf Anfrage per PN verschicken, sondern auch für diejenigen, die ihn sich schicken lassen. Dank Facebook kann ja alles nachvollzogen werden.

Die Schnittmusterersteller, die  – wie ich  – einen guten Anwalt haben lehnen sich dann mal ganz entspannt zurück. Denn Urheberrechtsverletzung, Weitergabe von Schnitten (auch teilweise), Tausch etc. sind verboten und der Anwalt freut sich über neue Aufträge.

Wobei ich an dieser Stelle kurz erwähnen möchte, dass sich auch der Schnittmusterersteller freut, denn interessanterweise schnellen die Verkaufszahlen in die Höhe, wenn Freebookbeispiele gepostet werden. Denn es ist eine wunderbare Werbung für den Schnitt, da wie gesagt die wenigsten Lust und Zeit haben, sich einen Schnitt zurecht zu fummeln und auch noch meterweise Stoff bei den ersten misslungenen Versuchen zu verlieren, weil ihre Größe nicht im Freebook enthalten war.

Aber dies nur am Rande.

Wenn ich so lese, wie viel Mühe sich gegeben wird, einen Schnitt zu denunzieren, etwas Schlechtes daran zu finden oder wie verzweifelt versucht wird – aus welchem Grunde auch immer – dem ebook Ersteller eins auszuwischen, dann kann ich mich nur wundern. Wundern über die Energie, die investiert wird, über das gefährliche Halbwissen, das eine teure Anwaltsrechnung nach sich ziehen kann (wenn das Schnittmuster in welcher Form auch immer, z. B. durch Beschreibung, Maße oder fotografierte Backpapierkopien veröffentlicht und weiter gegeben wird) und ganz über allem wundern über den großen Sinn hinter alldem. 

Es mag sein, dass jemand, der so etwas macht, abends glücklich und zufrieden im Bett liegt und denkt „Ach, da habe ich aber was richtig Gutes gemacht heute.“ Ich denke aber eher, dass derjenige sich danach nur temporär besser fühlt. Wenn überhaupt.

Mein Tipp: Sich etwas wirklich Kreatives einfallen lassen.

Wie man ein Schnittmuster zum Beispiel abwandeln kann. Man kann dem Schnittmusterersteller beispielsweise seine Idee vorschlagen und bekommt mit Sicherheit das ebook umsonst. Man kann in Absprache ein offizielles Tutorial für eine Abwandlung schreiben und am Ende des Tages sagen, dass man WIRKLICH etwas Tolles gemacht hat.

Oder warum nicht generell auf seiner Homepage oder seinem Blog mal eine Liste von Freebooks und Tutorials posten die toll sind und die unbedingt genäht werden sollten. BEVOR ein Schnitt erscheint von dem man denkt, dass er ähnlich sei. Auch damit würde Kreativität bewiesen werden. 

Nungut. Ich persönlich werde weiterhin ebooks von Schnitten, die mir gefallen kaufen, bevor ich mich ans Basteln mache, denn dazu fehlt mir die Zeit. Und ich fördere gerne die Kreativität der Frauen, die sich mit viel Zeit und Herzblut an ein Projekt setzen, die eine Idee haben (auch wenn es etwas irgendwie ähnliches vielleicht schon gibt), die aber ihren Stil einbringen und einen Schnitt herausbringen, der einfach nur schön ist.

Frauen, die ihre Selbständigkeit damit beweisen, die einen Schritt in die richtige Richtung gehen. Die den Mut haben, etwas eigenes aufzubauen.

Es ist ok, wenn jemand Erfolg hat.
Es ist ok, wenn vielen Menschen etwas gefällt. 


Alles ist gut. Man sollte gönnen können, sich mitfreuen und seine Energie in die richtige Richtung lenken. Vielleicht fällt einem auch etwas ein, was ganz vielen gefällt. Und dann kann man auch stolz darauf sein. Sehr sogar.
Liebe Grüße,

Ilka

 

P.S.: Ich bin sehr, sehr stolz auf alle Freundinnen und Kolleginnen, die neben ihrem Job, neben ihrer Aufgabe als Mutter, Ehe –und Hausfrau Zeit investieren ihre Ideen umzusetzen, anderen durch wunderbare Schnitte und Plotterdateien Freude bereiten und die ihre Zeit sinnvoll und kreativ nutzen. Die etwas Positives schaffen. Weitermachen.