Pubertät – Trotzphase … EINER GEHT NOCH!

Ich habe drei Töchter. Sie sind 15, 13 und 2 Jahre alt.
Dies kann man auslegen, wie man mag, ich bin grundsätzlich SEHR, SEHR glücklich damit.


Kommen wir aber zum Kern: dieser ist geschlechterunspezifisch … zwei meiner Töchter befinden sich in der Pubertät, eine in der Trotzphase.

Ich bin 43 Jahre alt, habe mein erstes Kind mit 28 und mein drittes mit 41 bekommen … dazwischen liegen 13 Jahre. Wir haben also den Zyklus eingeholt … Pubertät trifft auf Trotzphase und ich … ich bin mittendrin.
   Richtig, das klingt grausam. Und es klingt nicht nur so, es IST grausam.
 
Was ich JETZT brauche sind gute Nerven … oder eine Großpackung Baldrian und Hopfen oder eine große Tafel Schokolade. Ich variiere.
 
Ich erlebe täglich die bunte Vielfalt an Emotionen:  Wut, Enttäuschung, Hass, unendliche Liebe, Leiden, Trauer, überschäumendes Glück, totale Euphorie, komplette Niederlage, Frustration, Euphorie  … 
Nun drücken es das erbsündchen und ihre Teenie-Schwestern zwar unterschiedlich, aber trotzdem immer noch laut und irgendwie auch gleich aus.

  • Totaler Zusammenbruch (Weinen, Kreischen, Hinschmeissen – das allerdings eher im Alter 2-3)
  • Beschimpfungen (je nach Alter mehr oder weniger klar und wüst)
  • Wegstampfen (bevorzugt die Treppe hoch, wer das schon kann)
  • Dinge herumschmeissen (alle)
  • Ablehnung und Hass (nein, ich will gar nichts mehr, keine Nahrung, keine Liebe, gar nichts – ich HASSE DICH!)
  • Blockade (Ich spreche nicht mehr mit dir – ich ignoriere dich total … hallo!!! Siehst du das nicht???!!!!)
Schlimm? OH JA! Ich tue mir selbst leid. Sehr sogar. Denn ich bin wirklich bemüht, alle Probleme zu klären, aber DAS übersteigt manchmal meine Kompetenzen und Kräfte. Und Nerven.
Aber: ommmmm ….
 
Fest steht: In beiden Phasen ist eine Konversation unmöglich. 
Beim erbsündchen, Kind Nummer 3 (Alter 2) wegen mangelndem Konsequenzbewusstsein, bei Kind 1 (Alter 15) aufgrund der hormonellen Wut … Egal, reden geht nicht, die Wut muss raus.

Was mache ich also – als Mutter, als Mensch, der einfach nur ÜBERLEBEN will?

Ich versuche zu irritieren. Ich habe mal gelesen: Irritiere deinen Feind und du hast gewonnen.
Fand ich gut – also: ausprobieren.

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Gut – wir sind im Krieg.
Kind 1 (15 Jahre alt – Pubertät) schneidet mit einem Riesenmesser eine Melone auf.

Sie: Mama, was würdest du machen, wenn ich mir jetzt die Pulsadern aufschneiden würde?
Ich: Äh …
Stille.
Ich: Warum fragst du?
Sie: Nur so.
Ich: Weisst du denn wie du das machen musst?
Sie: Ja, so! (Querbewegung über dem Handgelenk)
Ich: Das ist leider falsch, quer passiert da gar nix … du musst längs schneiden, entlang der Vene. Sonst fließt kein Blut.
Sie: Oha!!! Mama!!! Hör mal auf! Das ist eklig. Wieso erklärst du mir das???
Ich: Das hat mir deine Oma auch erklärt.
Stille.

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Das erbsündchen (noch keine 2 Jahre alt – Trotzphase) – Gespräch nicht möglich:
 
Sie will einen Becher Wasser – NICHT um ihn zu trinken, sondern, um ihn im Raum zu verteilen.
Ich (den Becher festhaltend): Du kannst das Wasser trinken, aber nicht verschütten.
Sie: Brüllt
Ich: Wenn du keinen Durst hast, dann stelle ich den Becher weg.
Sie: Brüllt
Ich: stelle den Becher weg
Sie: Brüllt mit nach hinten gelegtem Kopf, total dramatisch
Ich: sitze neben ihr, während sie brüllt und schaue ihr interessiert zu , wie lange sie das durchhält.
Sie: Brüllt, während sie aus dem Augenwinkel beobachtet , was ich mache
Ich: warte
Sie: brüllt lauter
Ich: warte
Sie: brüllt leiser
Ich: wollen wir ein Buch lesen?
Sie: rennt los und holt ein Buch

Ich habe inzwischen gelernt, dass sich die Trotzphase einfach nur wiederholt  und die Kinder (leider) bei der zweiten Phase (Pubertät) einfach schon fließender sprechen und besser argumentieren können. Das macht das Ganze nicht besser, nur anstrengender. Und anders. Ich liebe ja Abwechslung. Juhu.

Man muss da leider durch.

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Meine Mutter (die mir mal während meiner Pubertät in höchster Wut gesagt hat: Du wirst die Kinder kriegen, die du verdienst!!!) hatte mal wieder Recht: Ich habe die Kinder bekommen, die mir genau so einen Stress machen, wie ich ihr damals. Aber ich habe auch von ihr gelernt: ganz ruhig bleiben, auch wenn es schwer fällt. Lass dir nichts anmerken … ommm … es gibt nichts, was du noch nicht gesehen hast … ommm

Nunja. Irritiere sie. Überlebe.
 
Ich hoffe, ich stehe das durch – ich habe erst 1/3 meiner Kinder fast durch beide Phasen durch.
Aber ich schaffe das. Wünscht mir Glück. Und gute Nerven. Und genug Schokolade.

Eure Ilka

P.S.: Nicht vergessen! Atmet. Lasst euch nicht irritieren. Sie wollen euch prüfen. Atmet.