Ehe … Seelen … Partner

Das Institut Ehe ist umstritten, das weiss ich, es gibt viele die sagen, man kann auch ohne Heiratsurkunde und Ehering wunderbar zusammenleben. Wie auch immer man sich entscheidet – man sollte füreinander da sein. Immer.

Ich bin seit 2011 zum zweiten Mal verheiratet.
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Durch meine großartigen Eltern wusste ich – es gibt jemanden – irgendwo – der einen in jeder Hinsicht perfekt ergänzt. Der einen unterstützt, der Mut macht, der einen so gut kennt dass er weiss, wann er den anderen ernst nehmen muss und wann er ihn auslachen darf, ohne verletzend zu sein. Der für einen da ist – und zwar Jahrzehntelang.

Aber hat man auch das Glück den anderen zu finden – bzw. ihn zu erkennen, wenn er vor einem steht?

Nach der Trennung von meinem ersten Mann, bei der ich mit zwei kleinen Kindern (3 und 5 Jahre alt) und ohne Job doch recht viel Zuversicht brauchte, hatte ich mir geschworen: nie wieder heiraten, nie wieder versuchen, es jemandem Recht zu machen, wenn man sich dafür verbiegen muss. Ich wollte meinen Töchtern zeigen, dass man immer eine Wahl hat. Dass man Situationen oder Lebensumstände nicht akzeptieren muss, nur weil es die Gesellschaft oder der Partner von einem erwarten oder sie enttäuscht sein könnten. Wenn man unglücklich ist, egal warum, dann darf man etwas daran ändern. Immer.

Der Weg war sicher nicht der leichteste, ich hätte durchaus sehr komfortabel weiterleben können. Aber dann wäre ich nicht ich. Ich habe keine Angst vor Herausforderungen und Veränderungen. Ich habe mit meinen Töchtern viel geredet, ihnen erklärt, warum ich diesen Schritt gegangen bin, damit sie sich keine Sorgen machen mussten. Und ihren Papa auch weiter toll finden konnten.

Das ist nicht leicht, wenn sie noch so klein sind. Das muss dann ganz simpel und liebevoll erklärt werden.

„Mama, warum magst du nicht mehr bei Papa wohnen?“
„Hm … Schau mal, du hast doch bestimmt in deiner Kindergartengruppe jemanden, den du gerne magst, aber neben dem du nicht sitzen kannst, weil er dich einfach stört.“
„Oh ja! Da ist die Soundso! Die mag ich sehr gerne. Aber wenn ich neben ihr sitze, dann kann ich nicht malen, weil sie mir immer die Stifte wegnimmt und das macht mich traurig.“
„Ja, siehst du. Und so ist es bei Papa und mir. Papa ist toll, aber ich kann einfach nicht neben ihm sitzen.“
„Ah. Das verstehe ich!“
(Es ist ganz wichtig dass sie wissen, dass sie ihren Papa weiter so lieben dürfen wie bisher!)

Und dann habe ich mir einen Mops zugelegt, Henry. Ein langgehegter Wunsch – ein Hund, der gut ist für die Seele. Mit dem man zusammen alt werden kann.

 

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Ich lebte also als 35-jähriger Neusingle so ganz zufrieden mit meinen Töchtern, mit Henry und meinem neuen Halbtagsjob vor mich hin, bis eines Tages (ich war 36, um genau zu sein) durch Zufall dieser Mann vor mir stand.  Da war er nun plötzlich und mein Herz schlug so laut gegen meine Rippen, dass ich kaum verstehen konnte, was er sagte.
 

Ein Querdenker, ein Ideologe, ein Zweifler, ein Kämpfer – liebevoll, anstrengend, fürsorglich, witzig, romantisch und gnadenlos realistisch. Ha. Und ich WUSSTE ES DOCH! Es gibt ihn – den zweiten, passenden Teil zu einem selbst. Manchmal dauert es nur einfach länger, bis er vor einem steht. 

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Da sind wir nun – zusammen seit 2007 (damals noch jünger und mit mehr Haaren), verheiratet seit 2011 und ich sehe uns gemeinsam, jeder geschmeidige 104 Jahre alt, sabbernd auf einer Bank vor unserem Haus (das wir noch nicht haben) sitzen und unseren Urenkeln beim Steine und Erde essen zusehen, während unsere Gespräche weiter so laufen, wie jetzt:

Ich: „Habe ich dir schon gesagt, dass ich es schön finde, mit dir alt zu werden? … Jedenfalls schöner, als mit mir alleine.“
Er: „Habe ich dir schon gesagt, dass ich es schöner finde das hören zu können, als taub zu sein?“

Ah, ich glaube wir sind jetzt schon wie die beiden Alten (Waldorf und Statler) in der Muppet-Show und ich freue mich unendlich auf die weiteren gemeinsamen 60 Jahre.

Und ja. Man muss nicht unglücklich sein. Man kann es ändern. Auch wenn der Weg zum Glück anstrengend ist. Man möchte niemanden verletzen oder Unrecht tun. Aber verdammt. Man hat vielleicht nur dieses eine Leben und das sollte man glücklich verbringen.

Es muss ja nicht immer eine Trennung sein. Aber man muss aussprechen können, was man denkt und fühlt.

Der Weg zum Glück ist manchmal nicht leicht, aber man sollte ihn gehen.

Für all diejenigen also, die ihren Seelenpartner noch nicht gefunden haben: nicht aufgeben, er steht vielleicht morgen schon vor euch. Oder hinter euch – also auch umdrehen!