Wenn sparen so richtig teuer wird – oder: Noch viermal singen, dann ist Mama wieder da*

Ich komme mal auf ein Thema zurück, das ich schon öfter angesprochen habe und von dem ich eigentlich dachte, dass es nun auch der allerallerletzte Mensch verstanden haben müsste:
Das Urheberrecht
 
 
In diesem Fall geht es um Bildrechte sowie um die Rechte an Schnittmustern, Plotterdateien, Tutorials …. und – wo wir so nett beisammen sind … erweitern wir doch einfach noch um die Urheberrechte an Stickdateien, Entwürfen, Zeichnungen, Fotos, Texten … etc.
 
Ausgangspunkt noch einmal zur Sicherheit: Die Nutzung von Fotos, Zeichnungen oder Texten aus dem Internet und die Weitergabe und der Tausch von ebooks und anderen Dateien sind verboten. Wer es dennoch macht begeht eine Straftat, die rechtlich verfolgt werden kann. Übrigens steht dieser Hinweis auch in und auf jedem ebook und jeder Plotter- und Stickdatei. Und auch alle Fotografen, Designer und Künstler weisen darauf hin.

§ 106 Unerlaubte Verwertung urheberrechtlich geschützter Werke

(1) Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Der Versuch ist strafbar.
Da steht es schwarz auf weiss – die Weitergabe von ebooks ist KEIN Kavaliersdelikt, kein Gefallen unter Freunden. Es ist eine Strafhandlung.
 
Und nun kommen wir zum spannenden Teil, denn diesmal möchte ich mich auf die Folgen beziehen:

Die Tat kann nicht nur, sie WIRD auch strafrechtlich verfolgt. Denn inzwischen sind alle Betroffenen es mehr als leid, sich ständig zu wiederholen.
Gestern Abend wurde ich Zeuge, wie in einer geschlossenen Gruppe lustig und munter ebooks meiner Kolleginnen getauscht wurden. Ob aus Dummheit oder Ignoranz – inzwischen ist es egal und Sprüche wie: „Normalerweise darf man ebooks nicht tauschen, aber hier darf man das ja“, lassen einen sprachlos werden.
Es ist meist nicht sonderlich schwer nachzuvollziehen, wer ein ebook weiter gegeben hat. Und in jeder Gruppe gibt es mindestens eine Person mit einem Unrechtsbewusstsein, die diese dem Urheber meldet. So ist es ein Leichtes, die involvierten Personen zu identifizieren und zur Rechenschaft zu ziehen.

Wir gründen einfach eine Facebook- oder Whatsapp-Gruppe und haben eine rechtsfreie Zone.
Klasse. Und ganz ganz falsch. Und nicht auszudenken, was dies für sonstige Konsequenzen (auch in anderen Bereichen) haben könnte. 
 
Auch schön sind Kommentare wie „Wenn ich jedes ebook kaufen müsste, wäre ich arm.“ Ah, interessant! Werden der Stoff und die Nähmaschinen dazu denn eigentlich auch geklaut? Denn – bitte entschuldigt die Ausdrucksweise – nichts anderes ist es: Diebstahl.

Wie wäre es mit Alternativen? Dass es genügend Freebooks gibt für diejenigen, die sich nicht JEDES Schnittmuster kaufen können oder dass man nicht JEDES ebook haben muss, sind scheinbar keine.
Übrigens dürfen auch freebooks nicht weiter gegeben werden, nur der Link zu der Seite des Urhebers, bei dem man sich das freebook dann direkt herunterladen kann.

Wenn ich mir etwas also nicht leisten kann, dann beschaffe ich es mir kostenlos.

Klingt zunächst nach einem wahnsinnig spannenden Lösungsansatz.

Aber leider nur zunächst – denn durch den Tausch und die Weitergabe von ebooks und anderen Dateien wird es nämlich erst so richtig teuer. Mit den Beträgen, die demnächst einige Anwälte in Rechnung stellen werden, könnten sich die Betroffenen geschmeidig jedes ebook kaufen, dass es auf dem Markt gibt und eine richtig fette Bernina dazu.
 
Ich kann nur hoffen, dass sich die Damen das Geld, was sie vermeintlich „gespart“ haben, schön Beiseite gelegt haben. Denn dass so etwas immer rauskommt, weiss hoffentlich jeder. Und dass Screenshots existieren, die Adressen zu den Namen schnell gefunden sind und so das Ganze zu einem Fest für die Anwälte wird, die wahrscheinlich gerade alle ihren Sommerurlaub in der Karibik planen, ist wohl hoffentlich auch klar. 
 
Somit macht man mit der Nutzung von Bildmaterial ohne (übrigens schriftliche) Erlaubnis oder mit dem Tausch und der Weitergabe von ebooks und anderen Dateien (auch teilweise) kein Schnäppchen … weit gefehlt.

Es ist richtig, richtig teuer.
 
Gut, wer also noch immer nichts mit dem Begriff Urheberrecht anfangen kann oder meint, man könnte ganz kreativ eigene Regeln stricken, der sollte sich dringend mit dem Thema auseinandersetzen. Oder anfangen zu sparen.
 
Ergänzend möchte ich noch auf den Beitrag von BellaBunt hinweisen, die noch ein paar – nicht unwesentliche Punkte aufgegriffen hat – wie zum Beispiel die Tatsache, dass die ebook Ersteller von ihrem Job LEBEN und ihre Familien damit ernähren.

Auch im Namen meiner Kolleginnen danke ich allen, die ebooks durch den offiziellen Kauf legal erwerben. Ihr beweist damit euren Respekt – uns und unserer Arbeit gegenüber. Danke. 
 
*Wer mit dem Titel nichts anfangen kann, kann mal nach einem Video suchen mit den Stichworten „Noch vier Mal singen, Papa“